Kurzfilm-Soirée Winter 2026

Auf dem Programm standen sechs ungewöhnliche Kurzfilme: ein „Winterfilmchen”, eine filmische Spurensuche, dazu surreale, komische und narrativ-dokumentarische Beiträge sowie eine Tetralogie rund um Mode.

Organisation: Julia Richter
Moderation: André Roy

André RoyMit Karten moderieren? Kann man machen, außer man gehört zu jenen, die sich alles Niedergeschriebene ganz besonders gut merken können. Aber heute, im nunmehr elften Jahr der Kurzfilmreihe, ist ohnehin so manches anders als sonst. Etwa, dass in diesem Kino ausgebildet wird: gefühlte 10 Minuten gehen ins Land, ehe nach allerlei Bluescreen- und Vorhang-Animationen endlich der Film die Rolle der Alltagskomik übernimmt.

Dem ultrakurzen Spontanfilmchen um die Tücken winterlicher Glätte folgt ein Beitrag zu einem sehr ernsten Thema, nämlich dem Wunsch eines 93-jährigen, noch einmal seine alte Heimat Siebenbürgen zu sehen. Niels Bouman, dem Soirée-Publikum wohlbekannt, begleitet den alten Herrn in seinen Geburtsort Rode: „in Rumänien waren wir die Deutschen, in Deutschland sind wir die Rumänen.“

Im nächsten Beitrag geht es um einen Fisch. Oder eigentlich um die Auseinandersetzung eines Geschäftsreisenden mit sich selbst, ausgelöst durch ein seltsames Ereignis am Strand von Marseille, das ja bekanntlich in Frankreich liegt. Die französischen Dialoge sind deshalb mit Untertiteln versehen – mit englischen! Die man eigentlich aber ohnehin nicht braucht, denn surreal ist eben surreal. Produzent Levent Özdil weiß abschließend noch von allerlei Tücken des Drehs zu berichten.

Kennt jemand der Anwesenden Markus Baumeister? Seine Kurzfilme heimsen regelmäßig Preise ein. Der heutige ist an einem einzigen Wochenende entstanden und handelt vom letzten Wunsch eines jungen Mannes an eine Frau, die genau wie er nur noch 99 Sekunden zu leben hat. Wird sie darauf eingehen?

Um einen Besuch in der Heimat geht es auch im vorletzten Film. Wie gut, dass auch er untertitelt ist, denn seine Originalsprache ist Mandarin. Erzählt wird die persönliche Geschichte der Migrantentochter Ina Chi, die sich in das schwindende Dorf begibt, wo alle Leute Chi heißen und über irgendeine Ecke mit ihr verwandt sind. Sie wäre gerne zur Soirée gekommen, um über ihren Film zu sprechen, mußte aber krankheitsbedingt absagen. Schade.

Es kommt, wie es kommen muss – es kommt zum Letzten. Ähnlich wie der erste Beitrag des heutigen Abends ist auch der nun Folgende eher ein Zufallsprodukt, entstanden in einer Zeit, als es auszuprobieren galt, welche Möglichkeiten in den nunmehr videotauglichen digitalen Fotoapparaten stecken. Ein Studio, ein fotogenes Model, ein paar Requisiten, ein Musiker – und die pure Lust, irgend etwas daraus zu machen.

Noch ein Schlußapplaus, dann lichten sich die Zuschauerreihen. Die nächste Soirée wird hoffentlich wieder genauso gut wie diese.

André Roy

Das Gestöber

Es hat geschneit. Das Postauto nähert sich der Schranke, funkt sie auf, gibt ordentlich Gas … scheint etwas glatt zu sein heute!

Niels Bouman

Das Herz in Rode

Mit 93 Jahren noch einmal die siebenbürgische Heimat sehen: in Rumänien waren wir die Deutschen, in Deutschland sind wir die Rumänen. 

Levent Özdil

Fish

Ein Geschäftsmann reist für ein Meeting in die französische Hafenstadt Marseille. Und gerät durch ein Ticket in eine surreale Auseinandersetzung mit sich selbst.

Markus Baumeister

Blow

Ein ultrakurzer, schweinelustiger und spritziger Wettbewerbsfilm zum Thema „99 Sekunden – ich liebe es”: entstanden an einem einzigen Wochenende.

Ina Chi

Rote Wurzeln

Der narrative Dokumentarfilm erzählt die persönliche Geschichte einer Migrantentochter, die sich in das schwindende Dorf ihrer Vorfahren begibt. Mandarin mit deutschen Untertiteln.

Thomas Probosch & Christian Kantuzer

Four Films

Was macht man im Bett? Kartoffelschälen natürlich! Der Modefilm entstand, als die Fotoapparate das Filmen lernten und man neue Möglichkeiten erkunden wollte.

Für Euren Terminkalender: die Frühlings-Soirée findet am 17. Mai 2026 statt – zur gewohnten Zeit am gewohnten Ort.